BEM, SBV und JAV: Wer darf mit an den Tisch?

Ein typi­scher Fall aus der Pra­xis: Ein jun­ger Beschäf­tig­ter oder Aus­zu­bil­den­der kehrt nach län­ge­rer Krank­heit an sei­nen Arbeits­platz zurück. Die Dienst­stel­le lei­tet ein Betrieb­li­ches Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment (BEM) ein. Doch schnell stellt sich die Fra­ge: Wer nimmt eigent­lich am BEM-Gespräch teil? Muss die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung (SBV) immer infor­miert wer­den? Und was ist, wenn es sich um einen Azu­bi han­delt – schal­tet sich dann die JAV ein?

Die Betei­li­gungs­rech­te beim BEM füh­ren in der Pra­xis regel­mä­ßig zu Unsi­cher­hei­ten auf allen Sei­ten. Ein Über­blick dar­über, wel­che Rech­te die Gre­mi­en haben – und wo die Gren­zen des Daten­schutz­rechts lie­gen.

1. Die Vertrauensperson der SBV: Pflicht zur Einbindung

Bei schwer­be­hin­der­ten oder die­sen gleich­ge­stell­ten Beschäf­tig­ten ist die Rechts­la­ge in § 167 Abs. 2 SGB IX ein­deu­tig gere­gelt: Die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung (SBV) ist von Anfang an beim BEM hin­zu­zu­zie­hen.

Was heißt das konkret?

  • Ange­bots­pha­se: Die SBV muss bereits bei der Ein­lei­tung des BEM infor­miert wer­den.
  • Das Veto des Beschäf­tig­ten: Die Ein­bin­dung der SBV steht unter dem Vor­be­halt der Zustim­mung des betrof­fe­nen Mit­ar­bei­ters. Lehnt die­ser die Teil­nah­me der SBV expli­zit ab, darf sie am eigent­li­chen BEM-Gespräch nicht teil­neh­men.
  • Auf­klä­rungs­pflicht: Die Dienst­stel­le muss den Beschäf­tig­ten im Ein­la­dungs­schrei­ben aus­drück­lich dar­auf hin­wei­sen, dass er das Recht hat, die SBV hin­zu­zie­hen.

Pra­xis­tipp für die SBV: Auch wenn der Beschäf­tig­te eine Teil­nah­me im Gespräch ablehnt, behält die SBV ihr all­ge­mei­nes Über­wa­chungs­recht nach § 178 SGB IX. Sie kann prü­fen, ob die Dienst­stel­le ihrer gesetz­li­chen Pflicht zur Durch­füh­rung von BEM-Ver­fah­ren grund­sätz­lich nach­kommt.

2. Die Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV): Besonderheiten bei Nachwuchskräften

Auch Aus­zu­bil­den­de und jugend­li­che Beschäf­tig­te unter 18 bzw. Aus­zu­bil­den­de unter 25 Jah­ren kön­nen lang­zeit­er­kran­ken. Fällt ein Azu­bi unter die BEM-Kri­te­ri­en (mehr als 6 Wochen unun­ter­bro­chen oder wie­der­holt arbeits­un­fä­hig inner­halb von 12 Mona­ten), ist auch hier ein BEM anzu­bie­ten.

Welche Rolle spielt die JAV?

Das BPersVG bzw. die Lan­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­set­ze (z. B. LPVG NRW) wei­sen der JAV die Auf­ga­be zu, die beson­de­ren Belan­ge der jugend­li­chen Beschäf­tig­ten und Azu­bis zu ver­tre­ten.

  • Recht auf Teil­nah­me: Sofern der betrof­fe­ne Azu­bi dies wünscht, kann ein Mit­glied der JAV als Per­son des Ver­trau­ens zum BEM-Gespräch hin­zu­ge­zo­gen wer­den.
  • Zusam­men­ar­beit mit dem Per­so­nal­rat: Die JAV hat das Recht, beim Per­so­nal­rat zu bean­tra­gen, dass Maß­nah­men zur gesund­heit­li­chen Prä­ven­ti­on und Ver­bleib im Aus­bil­dungs­ver­hält­nis auf die Tages­ord­nung gesetzt wer­den.

3. Der Grundsatz: Erst die Aufklärung, dann die Entscheidung

Ein BEM ist kein Über­wa­chungs- oder Dis­zi­pli­narin­stru­ment, son­dern eine Prä­ven­ti­ons­maß­nah­me. Damit Beschäf­tig­te, SBV und JAV auf Augen­hö­he agie­ren kön­nen, gilt:

  1. Daten­schutz beach­ten: BEM-Daten sind hoch­sen­si­ble Gesund­heits­da­ten. Sie gehö­ren in eine sepa­ra­te BEM-Akte, nicht in die all­ge­mei­ne Per­so­nal­ak­te.
  2. Rech­te der Gre­mi­en stär­ken: Per­so­nal­rat, SBV und JAV soll­ten die Ein­hal­tung von Dienst­ver­ein­ba­run­gen zum BEM regel­mä­ßig prü­fen.
  3. Schu­lungs­an­spruch nut­zen: Gre­mi­en­mit­glie­der haben nach den jewei­li­gen Per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­set­zen sowie dem SGB IX einen Schu­lungs­an­spruch, um sich im BEM-Recht fit zu machen.

Fazit: Nur gemeinsam wird das BEM ein Erfolg

Ein erfolg­rei­ches BEM-Ver­fah­ren lebt vom Zusam­men­wir­ken aller Akteu­re. Dienst­stel­le, Per­so­nal­rat, SBV und JAV soll­ten nicht gegen­ein­an­der, son­dern prä­ven­tiv hand in hand arbei­ten. Ein gutes BEM schützt nicht nur vor vor­ei­li­gen Kün­di­gun­gen, son­dern sichert wert­vol­le Arbeits- und Aus­bil­dungs­plät­ze nach­hal­tig.

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